Welcome to Great Britain HOLLANDER



Die Einfahrt nach Ijmuiden war etwas stärker frequentiert, da es das Tor nach Amsterdam ist und viele Frachtschiffe hier verkehren. Als letzte Hürde hatten wir direkt in der Einfahrt noch ein manövrierbehindertes Schiff, das wendiger als erwartet kehrt machte und die betonnte Einfahrtsstrasse wieder hinaus fuhr. Spannend, waren doch die Wellenbrecher auch gleich nebenan...

Von Ijmuiden ging es dann direkt über die Nordsee nach Ramsgate!! Byebye Niederlande und Hello England! Durch eine tolle sternenklare Nacht, wo wir uns unter diesem riesigen Himmel plötzlich ganz klein fühlten. Sternschnuppen, die ihre langen Schwänze nachziehen und uns damit genügend Zeit für unsere Wünsche ließen und ein beeindruckender Sonnenaufgang! Das sind Momente, wo wir von ganzem Herzen spüren, dass wir ein tolles Leben haben und Dankbarkeit unsere Augen aufstrahlen lässt. Die großen Pötte fahren wie auf der Autobahn das Verkehrstrennungsgebiet entlang, wir passieren eine Reede, wo über 30 Tanker auf die Weiterfahrt warten. Danach passieren wir noch einige Gas- und Ölbohrinseln.

 


Wir kommen nachmittags bei typisch britischem Wetter in Ramsgate an! Es wirkt, als hätte sich jede einzelne Wolke als oberstes Ziel gesetzt, auf uns hinunter zu regnen. Nun verwundert es uns auch nicht mehr, dass die Einheimischen bei nur 12 Grad wenn es mal eine halbe Stunde regenfrei ist, auf der Terrasse vom Cafe sitzen und das "schöne Wetter" genießen. Um den Hafen bietet sich für uns eine skurrile Kulisse, Shops wie aus einer anderern Zeit. In einem Yachtshop finden wir einen ausgestopften Hund, die Luft riecht etwas vermodert und als der Boden im 1. Stock laut zu krachen beginnt, beschließen wir, den Shop auch gleich wieder zu verlassen. Wir kehren in einem kleinen Kellerlokal auf ein spätes Frühstück ein - deftig britisch mit Ei, Speck, Würste, Bohnen, Hashbrowns und Toast.

Doris zaubert Steak, Mais und natürlich sweetpotatoe fries


Petras letzter Abend an Bord wird gebührend gefeiert




















 


Nach einem Hafentag geht es für uns weiter nach Dover. Nun sind wir nur noch zu zweit an Bord. Die Ansteuerung ist schon besonders, denn die weißen Kalkfelsen und steilen Klippen von Dover in Kombination mit den Leuchttürmen der zwei Hafeneinfahrten bieten uns eine tolle Kulisse. Am Hügel oben das beeindruckende Fort mit mächtigen Mauern. Wir funken wie vorgeschrieben zwei Seemeilen vor der Einfahrt die Dover Portcontrol an und bitten um Einfahrtserlaubnis. Freundlich werden wir mit einem "Welcome in Dover" begrüsst und dürfen passieren. Irgendwie haben wir uns Dover anders vorgestellt als wir am Abend durch den Ort spazieren. Es wirkt, als wäre es eher ein Durchzugsgebiet, hier kommen zwar die großen Fähren an aber es scheint, als würde jeder gleich weiter ziehen und nicht hier verharren. Es ist 2100 abends und die meisten Lokale haben geschlossen. Wir beschließen, dass wir genug spaziert sind und die nächste Regenwolke treibt uns auch gleich wieder zurück zum Schiff...

Hafenkulisse im Tidalharbour Dover


Eastbourne! Nach etwa zehn Stunden Fahrt kommen wir wieder spät nachts an und fallen nach einer heißen Dusche nur mehr müde ins Bett. Wir sind hier in einer Premier Marina und das merkt man auch gleich an den vielen Toren und Passier-Schranken, die wir mit unserem Transponder öffnen können. Eine riesige Schleuse hält diesen Hafen von den Gezeiten unabhängig und somit das Wasser konstant tief. Das ist hier nicht überall so, wie wir bald noch selbst erleben werden. Da wir bisher leider sehr oft den Wind gar nicht oder direkt gegen uns hatten (ich habe immer wieder mal gegen die Anzeige geklopft, da ich schon die Vermutung hatte, dass die Nadel einfach stecken geblieben sein könnte - so oft genau Wind von vorne ist ja schon wirklich faszinierend) war es mal wieder so weit und wir fütterten Hollander mit knappen 500 Litern Diesel.

Und wieder ist es an der Zeit zu rechnen und zu tüfteln. Wann ist Hochwasser in Dover, wieviele Stunden dauert es bis hierher, in welche Richtung geht der Strom wohin und wie lange brauchen wir, bis wir unser nächstes Ziel erreicht haben. Fragen über Fragen, die genau durchdacht und geplant werden müssen, wenn man in einem Gezeitenrevier wie hier unterwegs ist. Daher sind unsere Ablegezeiten auch manchmal erst am Nachmittag oder eben früh morgens. Diesmal heißt es für uns um 1500 ablegen.

 


Wir haben rund 20 Seemeilen vor uns und sollten sie bis zum Sonnenuntergang schaffen. Raus aus der Ausfahrt, vorbei an Beachy Head, wo ein wunderschöner Leuchtturm in klassischen Rot-Weiß-Streifen die Spitze markiert, weiter die steile Küste entlang. Die Wellen sind heute sehr hoch, der Wind hat ungünstig gedreht und nun geht er gegen den Strom. Dadurch baut sich immer mehr Welle auf und Hollander reitet wild aber kontrolliert ihren Weg. Wellen peitschen auf das Deck und es ist zeitweise ziemlich ruppig. Unter Deck findet sich aber eine andere Welt, die Nespresso Maschine steht bombenfest am Tisch und bewegt sich keinen Zentimeter hin oder her. Es ist ein Husarenritt und wir beschließen, die nächste Marina - Newhaven - anzufahren. Der Reeds (die Bibel für dieses Revier) beschreibt, dass hier 24 Stunden die Zufahr möglich ist und ein lieber Freund von uns, der diese Gegend gut kennt meinte auch, dass diese Marina immer befahrbar wäre. Prinzipiell - oder eben doch nicht. Wir rufen ein paar Meilen vorher an, um uns anzukündigen und bekommen ein "Well, it is not possible to enter, the tides are dropping and there is not enough water. Unfortunately, the visitors dock is not in use either." Ooookay, so ist das also. Umdrehen, wieder weiter raus fahren, weg von der Küste, da die Wellen uns ohnehin wieder in deren Nähe bringen. Also weiter, wie vorab geplant nach Brighton. Wellen rauf und Wellen runter. Weiter, immer weiter, bis wir die Hafeneinfahrt sehen. Wir kündigen uns an und erfahren, dass wir noch knappe zwei Stunden vor der Einfahrt verharren müssen, bis das Wasser wieder hoch genug zum Passieren der Einfahrt ist. Diesen Winter waren heftige Stürme in dieser Gegend und daher stimmen die Kartentiefen nicht mit den tatsächlichen überein, viele Häfen sind versandet und Tonnen versetzt. Es ist mittlerweile dunkel geworden und die vielen Lichter der Stadt machen die Ansteuerung nicht unbedingt einfacher. Endlich ist es soweit und wir nehmen Kurs auf die Hafeneinfahrt. Bloss nicht die Einfahrtslichter aus den Augen verlieren. Links von der Einfahrt ist ein riesen Wellenbrecher, rechts eine seichte Sanddüne. Die Tonnen sind extrem eng gesetzt, da nur eine schmale Spur in den Hafen tief genug ist. Die rückschlagenden Wellen des Wellenbrechers schaukeln uns ganz schön durch und wir müssen mit einer rasanten Geschwindigkeit die engen Stellen passieren, um nicht Spielball der Wellen zu werden. Auch nach den ersten Tonnen ist es noch spannend, wir müssen noch weitere vier Tonnen im Kanal passieren, den Speed drosseln, einen 90 Grad Harken schlagen und dann in die Marina einfahren, wo wir nur wenige Meter später schon vor dem einzigen Steg mit genügend Wassertiefe stehen. Die Lücke ist eng, eine 40 Fuss Segelyacht steht an dem einen Ende längsseits und ein Lifeboat am anderen. Dazwischen liegen nur rund 19 Meter. Der starke Seitenwind und der Strom lassen kein langes Nachdenken zu und Olaf steuert Hollander zielsicher in diese winzige Lücke und bringt sie zum Stehen. Wir sind im Hafen! Wir haben es geschafft!! Der Hafenmeister ist schwer beeindruckt von dem Manöver und konnte es kaum glauben, dass wir die Einfahrt nur zu zweit so gut gemeistert haben. Naja, mit Hollander waren wir ja zu dritt - und sie hat auch entscheidend dazu beigetragen ;)

 



Das Team

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Olaf Weiß

meerflair Gründer
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Doris Schmid

meerflair Gründerin

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